„Die Leute wollen nicht zu uns ziehen“: So krass wirkt sich Hartz und herzlich Rostock auf die Stadt aus
Eine hohe Arbeitslosenquote, niedrige Einkommen, kaum kulturelle und gastronomische Angebote und ein hoher Anteil von Migranten – in den Plattenbauvierteln am Rande von Rostock ist die soziale Segregation eine tägliche Herausforderung.
Das weiß vor allem auch Uwe Michaelis (SPD), Ortsbeiratsvorsitzender von Groß Klein im Nordwesten der Stadt. Hier leben zirka 13.500 Menschen.
Bundesweit bekannt geworden ist Groß Klein durch die RTL Zwei-Sozialdoku „Hartz und herzlich – Tag für Tag Rostock“, die in dem Viertel spielt. Michaelis fordert jetzt eine stärkere Bekämpfung der Segregation in den Rostocker Großwohnsiedlungen – und erhält dabei Unterstützung von der Rostocker Bürgerschaft.
Fernsehserie stigmatisiert Menschen in Groß Klein
Schon lange ist Uwe Michaelis die Fernsehserie „Hartz und herzlich“ ein Dorn im Auge. „Die Serie stigmatisiert uns in Groß Klein“, schimpft er. „Die Leute wollen nicht zu uns ziehen, weil das soziale Gefälle angeblich so groß ist. Es ist aber nicht so extrem, wie es in der Serie dargestellt wird.“
Laut Michaelis verschärfe die Fernsehserie eher die Situation in dem sowieso schon stark von sozialer Segregation betroffenen Stadtteil. Mehrheitlich hat jetzt die Bürgerschaft einem Antrag von Michaelis zugestimmt, zur Bekämpfung der Segregation eine kommunale Koordinierungsstelle im Rathaus zu schaffen, die sich mit der räumlichen und sozialen Trennung der Einwohner in Rostock befasst.
Michaelis geht es um eine bessere soziale Durchmischung, letztendlich um De-Segregation. Segregation entsteht immer dann, wenn Menschen aufgrund ihres Einkommens, Bildungsniveaus, Alters oder ihrer ethnischen Herkunft nachbarschaftlich unter sich bleiben, was beispielsweise zu „Armenvierteln“ oder exklusiven Wohngegenden führt, also der Trennung von Arm und Reich. Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) sprach von „jahrzehntelang gewachsenen, etablierten Zuständen der Trennung“ in Rostock. „Es wird lange dauern, diesen Prozess rückgängig zu machen“, so Kröger. Im Rathaus seien kontinuierlich mehrere Stellen mit dem „wichtigen Thema der Durchmischung der Bevölkerung“ beschäftigt, unterstrich sie.
Segregation bekämpft man nicht am Schreibtisch, sondern in der Stadt.
Andreas Szabó, stellvertretender Fraktionsvorsitzender FDP/Unabhängige
Vonseiten der Linken und auch der SPD in der Bürgerschaft erhielt der Vorstoß von Michaelis viel Zuspruch. Widerspruch kam unter anderem von der FDP. „Segregation bekämpft man nicht am Schreibtisch, sondern in der Stadt“, sagte Andreas Szabó, stellvertretender Fraktionsvorsitzender FDP/Unabhängige.
„Die Menschen in Groß Klein brauchen keine zusätzliche Stelle im Rathaus, sondern eine sichtbare Verbesserung vor Ort.
Begegnungsorte entstehen durch gute Stadtplanung, funktionierende Quartiere und private Investitionen statt durch weitere Konzepte über bereits bekannte Probleme. Dieser Antrag löst keine Probleme“, zeigte er sich überzeugt.
Uwe Michaelis setzt auf Neubaugebiet
Doch Michaelis ist froh, dass sein Antrag eine Mehrheit erhalten hat. „Es müssen Lösungen und Wege gefunden werden, um der Segregation entgegenzuwirken“, sagt er. Verbesserungen erhofft er sich auch durch den Bau einer Schwimmhalle in Schmarl sowie die Entwicklung der Freifläche an der Hermann-Flach-Straße in Groß Klein.
Seit vielen Jahren setzt sich der Ortsbeirat hier für die Bebauung ein. „In diesem Baugebiet haben wir die Chance, die soziale Entmischung in Rostock etwas zu mildern. Ich kann mir hier hochwertigeren Wohnraum und Einfamilienhäuser vorstellen“, sagt er. Auch Freizeit- und Kulturangebote könnten entstehen, um den Stadtteil aufzuwerten.




