Skandal um „Hochzeit auf den ersten Blick“ in UK: Sender zieht nach schweren Vorwürfen die Reißleine

Nach massiven Missbrauchsvorwürfen steht „Hochzeit auf den ersten Blick“ in Großbritannien vor dem Aus. Die Enthüllungen sorgen landesweit für Entsetzen.

Symbolbild: Mann steckt Frau einen Ring an den Finger.
Bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ heiraten Paare, ohne sich vorher zu kennen Foto: IMAGO / Westend61

Schwere Vorwürfe erschüttern das britische Reality-TV: Nach einem aufsehenerregenden BBC-„Panorama“-Bericht hat der Sender Channel 4 sämtliche Folgen von „Married at First Sight UK“, also die britische Version von „Hochzeit auf den ersten Blick“, aus seinem Programm und von seiner Streamingplattform entfernt. Im Raum stehen Anschuldigungen wegen sexueller Gewalt und gravierender Versäumnisse beim Schutz der Teilnehmerinnen.

BBC-Doku bringt brisante Details ans Licht

Die Dokumentation „The Dark Side of Married at First Sight“, ausgestrahlt am Montag um 20 Uhr auf BBC One, beleuchtet die Vorwürfe mehrerer ehemaliger Kandidatinnen. Zwei Frauen gaben an, während der Dreharbeiten von ihren Ehemännern vergewaltigt worden zu sein. Eine dritte Teilnehmerin schilderte sexuelles Fehlverhalten. Eine Betroffene, die anonym als „Lizzie“ auftrat, erklärte, sie sei von ihrem TV-Ehemann vergewaltigt worden. Zudem habe er ihr nach ihren Angaben gedroht, „jemanden zu schicken, der Säure auf sie wirft“, sollte sie darüber sprechen. Sie behauptete, sie sei während des mutmaßlichen Angriffs „vor Angst erstarrt“ und habe sichtbare Blessuren davongetragen. Die Anwälte ihres Partners weisen sämtliche Vorwürfe zurück.

Eine weitere Frau, dargestellt durch eine Schauspielerin und unter dem Namen „Chloe“ auftretend, sagte aus, sie habe während einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs „Nein“ gesagt, doch ihr Partner habe weitergemacht. In der Doku schilderte sie, er habe danach zu ihr gesagt: „[Aufgrund deiner Reaktion] fühle ich mich wie ein Vergewaltiger.“ Besonders erschütternd: Nach den Dreharbeiten habe sie verstörende Vorstellungen an ihren eigenen Tod gehabt. Als die Staffel ausgestrahlt wurde, hätten sich diese Gedanken zu Suizidgedanken verstärkt. Auch hier bestreiten die Anwälte des beschuldigten Mannes zentrale Teile der Darstellung.

Dritte Kandidatin erhebt schwere Vorwürfe

Auch Shona Manderson, die 2023 an der Show teilnahm, meldete sich öffentlich zu Wort. Sie wirft ihrem damaligen TV-Partner Bradley Skelly sexuelles Fehlverhalten vor. Laut ihrer Darstellung habe er beim Sex ohne ihre Zustimmung in ihr ejakuliert. Später habe sie eine Abtreibung vornehmen lassen. Zudem habe sie angegeben, Experten der Sendung hätten das kontrollierende Verhalten ihres Partners bemerkt.

Channel 4 reagiert mit drastischem Schritt

Unmittelbar nach Ausstrahlung der BBC-Dokumentation zog Channel 4 Konsequenzen: Die komplette Episodenliste von „Married at First Sight UK“ wurde aus dem Streamingangebot sowie aus der linearen Ausstrahlung entfernt. Medienberichten zufolge fanden Krisengespräche in mehreren Abteilungen des Senders statt. Mitarbeitende der Produktionsfirma CPL sollen angewiesen worden sein, sich nicht öffentlich zu äußern oder in sozialen Netzwerken Stellung zu beziehen.

In einer Stellungnahme erklärte Channel 4: „Im April wurden Channel 4 schwerwiegende Vorwürfe gegen eine kleine Anzahl ehemaliger Teilnehmer vorgelegt, Vorwürfe, die diese Personen nach unserem Verständnis bestreiten.“ Man habe bereits im April eine externe Untersuchung zum Wohlergehen der Teilnehmenden beauftragt. Bis zum Abschluss dieser Prüfung und „um Spekulationen zu vermeiden“, sei die Sendung aus dem Programm genommen worden.

Zukunft der Erfolgs-Show ungewiss

„Hochzeit auf den ersten Blick“ gilt als internationales Erfolgsformat mit über 35 Ablegern weltweit, auch hierzulande. In Großbritannien läuft die Show seit 2015, insgesamt wurden zehn Staffeln produziert. Das Konzept: Singles heiraten einen völlig Fremden, ausgewählt von Beziehungsexpert:innen.

Die Ehen sind rechtlich nicht bindend, die Paare werden bei Hochzeitsfeier, Flitterwochen und Zusammenleben begleitet. Doch nach den aktuellen Enthüllungen steht die Zukunft des britischen Ablegers auf der Kippe. Brancheninsider sprechen von einer der größten Krisen in der Geschichte des Senders. Während die Untersuchungen laufen, bleibt offen, ob und in welcher Form das Format zurückkehren kann.

Hinweis der Redaktion: Wenn du selbst Opfer von sexuellen Übergriffen oder Missbrauch wurdest, kannst du dich an das “Hilfetelefon für Opfer sexuellen Missbrauchs”  wenden. Dieses erreichst du telefonisch unter 0800-22 55 530 oder per E-Mail an [email protected]. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Back to top button
error: Content is protected !!